Mozilla hat Firefox 51 veröffentlicht. Dieser Artikel fasst die relevantesten Verbesserungen der neuen Version von Firefox für den Desktop zusammen.
Firefox ist aus der Winterpause zurück. Zehn Wochen nach Veröffentlichung von Firefox 50 steht mit Firefox 51 ein neues Feature-Update zum Download bereit.
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Mehr Sicherheit für Firefox-Nutzer
Geschlossene Sicherheitslücken
Insgesamt 21 Sicherheitslücken hat Mozilla in Firefox 51 geschlossen, von denen Mozilla fünf als besonders kritisch einstuft. Alleine aus Gründen der Sicherheit ist daher für alle Firefox-Nutzer ein Update auf Version 51 dringend empfohlen.
Markierung von HTTP-Seiten mit Passwortfeld als unsicher
Verschlüsselte Verbindungen, das heißt in der Regel HTTPS statt HTTP, sollten im Jahr 2017 eigentlich Standard für Webseitenbetreiber sein. Zumindest, wenn sensible Daten wie Passwörter übertragen werden, gibt es wohl kaum eine zulässige Ausrede gegen HTTPS. Aus diesem Grund markiert Firefox ab sofort Webseiten als unsicher, die über eine unverschlüsselte HTTP-Verbindung übertragen werden, wenn auf der Seite ein Passwortfeld entdeckt wird.
Keine Unterstützung von SHA-1-Zertifikaten mehr
Firefox wird nicht länger Zertifikate mit unsicherer SHA-1-Signatur unterstützen. Bereits seit Version 38 zeigt Firefox bei Verwendung eines solchen Zertifikats eine Warnung in der Webkonsole an, seit Firefox 43 werden keine SHA-1-Zertifikate mehr unterstützt, welche nach dem 1. Januar 2016 ausgestellt worden sind. Mit Firefox 51 beginnt Mozilla damit, SHA1-Zertifikate gar nicht mehr zu unterstützen. Dazu wird mittels System-Add-on die Unterstützung zunächst für einen kleinen Teil der Nutzer deaktiviert und im Laufe der kommenden Wochen für immer mehr Nutzer.
Mozilla entzieht WoSign und StartCom (StartSSL) das Vertrauen
Mozilla hatte in den vergangenen Monaten zahlreiche Ungereimtheiten bei der chinesischen Certificate Authority (CA) WoSign entdeckt, unter anderem eine Rückdatierung von Zertifikaten, um die Datumsfrist zu umgehen, nach welcher CAs keine SHA1-Zertifikate nach dem 1. Januar 2016 mehr ausstellen durften. Außerdem wurde die Übernahme der CA StartCom, welche unter anderem für StartSSL bekannt ist, verheimlicht, obwohl die Mozilla-Richtlinien dies zwingend verlangen. Die Übernahme wurde sogar solange bestritten, bis Mozilla schließlich die Nutzung gemeinsamer Infrastruktur nachweisen konnte. Dies waren nur zwei Beispiele; Die Liste der Probleme mit WoSign ist lang und kann im Mozilla Wiki sowie in einem 13-seitigen von Mozilla verfassten Dokument im Detail nachgelesen werden.
Firefox 51 akzeptiert keine WoSign- oder StartCom-Zertifikate mehr, welche nach dem 21. Oktober 2016 ausgestellt worden sind. Die bereits identifizierten rückdatierten Zertifikate werden über Mozillas OneCRL-Infrastruktur für ungültig erklärt. Die entsprechenden Root-Zertifikate sollen zu einem noch nicht bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft entfernt werden, entweder in Absprache mit den CAs, sollten diese sich erneut für Mozillas CA-Programm bewerben und angenommen werden, ansonsten irgendwann frühestens ab März 2017.
Anzeige temporärer Berechtigungen für Video- und Audio-Streaming
Wurde einer Webseite der Zugriff auf die Kamera oder das Mikrofon gestattet, erscheinen diese Berechtigungen nun als temporäre Berechtigungen im Identitäts-Panel an der Stelle, an der man auch alle anderen speziellen Berechtigungen einer Webseite sieht.
Unterstützung für HiDPI-Favicons
Die Unterstützung von HiDPI-Bildschirmen in Firefox ist nichts Neues. Allerdings sahen die Favicons besuchter Webseiten in der Adressleiste oder in den Lesezeichen auf entsprechenden Anzeigegeräten bislang sehr verpixelt aus. Ab sofort speichert Firefox Favicons in höherer Auflösung, womit nun auch Nutzer moderner Bildschirme gestochen scharfe Favicons in der Adressleiste und bei den Lesezeichen sehen, was einen Unterschied wie Tag und Nacht gegenüber Firefox 50 ausmacht.
Vom Standard abweichende Zoom-Stufe in Adressleiste
Dass der Zoom auf einer Webseite aktiv ist und diese kleiner oder größer als normal dargestellt wird, ist nicht immer offensichtlich. Ab Version 51 zeigt Firefox die Zoom-Stufe in der Adressleiste an, wenn diese nicht 100 Prozent beträgt. Per Klick darauf wird die Größe wieder auf den Standard, also 100 Prozent, zurückgesetzt.
Multiprozess-Architektur für weitere Nutzer & verbessert
Die neue Multiprozess-Architektur Electrolysis, kurz: e10s, ist seit Firefox 48 für erste Nutzer standardmäßig aktiviert, welche bestimmte Kriterien erfüllen, und wird seit dem für immer mehr Nutzer aktiviert. Ein Kriterium für die Ausrollung sind installierte Erweiterungen. In Firefox 50 qualifizierten alle Erweiterungen für die Nutzung von e10s, welche von ihrem Entwickler explizit als kompatibel mit der Multiprozess-Architektur markiert worden sind. Einzige Ausnahme stellt Tab Mix Plus dar, welches (auch in Firefox 51 noch) trotz entsprechender Markierung durch den Erweiterungs-Entwickler die Aktivierung von e10s verhindert.
Sämtliche Firefox-Erweiterungen von soeren-hentzschel.at sind e10s-kompatibel und können gemeinsam mit der Multiprozess-Architektur seit Firefox 50 genutzt werden.
Auf Erweiterungs-Seite werden von Mozilla 770 weitere Add-ons für die Nutzung mit der Multiprozess-Architektur in Firefox 51 erlaubt. Außerdem wird die Einschränkung aufgehoben, dass Nutzer der russischen Version von Firefox die Multiprozess-Architektur nicht nutzen können.
Einen Überblick über die weiteren Schritte der Ausrollung gibt es hier.
Natürlich schaltet Mozilla mit jeder neuen Firefox-Version nicht nur die Multiprozess-Architektur für weitere Nutzer frei, sondern verbessert diese auch. Besondere Erwähnung verdient hier, dass sich Mozilla dem Problem langsamer Tab-Wechsel angenommen hat, was für betroffene Nutzer nun spürbar besser funktionieren sollte.
Die Diangose-Seite about:performance hat Mozilla um die Anzeige des Speicherverbrauchs der Firefox-Prozesse erweitert.
Unterstützung für Hybrid-Erweiterungen
In Zusammenhang mit der Multiprozess-Architektur sind natürlich auch Erweiterungen ein Thema. WebExtensions stellen den neuen Standard der Entwicklung von Firefox-Erweiterungen dar. Diese sind automatisch Multiprozess-kompatibel und ab Firefox 57 die einzige von Firefox noch unterstützte Erweiterungs-Architektur.
In Firefox 51 führt Mozilla sogenannte Hybrid-Erweiterungen ein. Dabei handelt es sich um Bootstraped oder SDK-basierte Erweiterungen mit eingebetteten WebExtensions, die miteinander kommunizieren können.
Damit erleichtert Mozilla das Leben von Erweiterungs-Entwicklern, die ihre bisherige Erweiterungen nun Schritt für Schritt zu einer WebExtension migrieren können und dabei jederzeit eine funktionierende Erweiterung haben. Ein weiterer wichtiger Anwendungsfall der Hybrid-Erweiterungen ist die Migration von Daten bestehender Erweiterungen, so dass Nutzer ihre Erweiterungen, sofern diese Optionen anbieten, nach dem Update auf eine WebExtension-Version nicht neu konfigurieren müssen.
Mozilla entfernt große Teile der SocialAPI
Um beim Thema Erweiterungen zu bleiben: Mit Firefox 17 hatte Mozilla die SocialAPI erstmals in Firefox eingeführt. Diese wurde kontrovers diskutiert, weil es seitens vieler Nutzer das Missverständnis gab, dass Firefox damals Facebook-Dienste direkt in Firefox integriert hätte, was so aber nicht stimmte. Viel mehr handelt es sich bei der SocialAPI um Schnittstellen für eine spezielle Art von Firefox-Erweiterung. SocialAPI-Erweiterungen kommen nicht als installierbare XPI-Dateien und besitzen im Add-on Manager von Firefox ihre eigene Kategorie. Firefox stellt hierfür Komponenten wie Chat-Fenster, Sidebar oder Share-Buttons funktionsbereit zur Verfügung, während die Inhalte vom jeweiligen Anbieter aus dem Web geladen werden.
In Firefox 51 entfernt Mozilla große Teile der SocialAPI, konkret Funktionen, die von niemandem genutzt worden sind, die Unterstützung für Chat-Fenster, welche mit der Einführung der SocialAPI von Facebook genutzt worden sind, zuletzt aber nur noch von Firefox Hello, was in Version 49 aus Firefox entfernt worden ist, sowie die Sidebar-Integration, welche derzeit von ein paar SocialAPI-Erweiterungen genutzt wird, allerdings ohne eine signifikante Nutzerzahl aufweisen zu können.
In „klassischen“ Erweiterungen können Sidebars natürlich weiterhin implementiert werden. Für WebExtensions arbeitet Mozilla derzeit aktiv an der Implementierung einer Sidebar-API.
Neuerungen für Webentwickler
Mozilla hat den JavaScript-Debugger in den Entwickler-Werkzeugen ersetzt. Die Besonderheit: dieser verwendet kein XUL mehr, sondern ist vollständig mit Webtechnologie umgesetzt. Standardmäßig ist der neue Debugger noch hinter dem Schalter devtools.debugger.new-debugger-frontend in about:config deaktiviert.
Verbesserungen der Webplattform
Unterstützung des Audio-Codecs FLAC
Die pluginfreie Wiedergabe von Videos und Audio-Dateien ist eine komplizierte Angelegenheit, da es viele verschiedene Container-Formate gibt, welche wiederum viele verschiedene Codecs für Video- und Audiospuren beinhalten können, und jeder Browser unterstützt eine andere Teilmenge von Containerformaten und Codecs. Firefox 51 unterstützt zusätzlich auch noch den Audio-Codec FLAC sowohl im FLAC-Containerformat als auch in Ogg-Dateien.
FLAC steht für Free Lossless Audio Codec und ist ein verlustfrei komprimierender Codec der Xiph.Org Foundation, welcher frei von jeglichen Patenten ist. Firefox 51 ist der erste große Desktop-Browser, der FLAC standardmäßig unterstützt.
Unterstützung von WebGL 2
WebGL bezeichnet eine JavaScript-Grafikschnittstelle auf Basis von OpenGL für die hardwarebeschleunigte Darstellung von 3D-Inhalten ohne Plugin. Firefox 51 ist der erste Browser, welcher den neuen WebGL 2-Standard unterstützt.
Unterstützung von IndexedDB 2.0
Indexed Database API, oder kurz: IndexedDB, ist ein Datenbank-Standard für das Web. Firefox 51 unterstützt den neuen IndexedDB 2.0-Standard.
Sonstige Änderungen der Webplattform
Mozilla hat die Unterstützung für das Protokoll SPDY/3.1 entfernt. In HTML5 Kontextmenüs (<menu>) sind nun auch Trennlinien mittels <hr> möglich. ::placeholder ist ab sofort ohne Vendor-Präfix -moz- nutzbar.
Zahlreiche weitere Neuerungen bezüglich der Unterstützung von Webstandards lassen sich hier nachlesen.
Optionale Features
Keine automatische Audio-Wiedergabe in Hintergrund-Tabs
Wer beispielsweise auf YouTube mehrere Videos gleichzeitig öffnen möchte, hat bisher das Problem, dass die Videos in allen Tabs gleichzeitig starten und man so verschiedene Audioquellen durcheinander hört. Firefox 51 besitzt ein neues Feature, um die Wiedergabe erst zu starten, nachdem der jeweilige Tab zum ersten Mal aufgerufen worden ist.
Auch sich im Hintergrund öffnende Werbung kann auf diese Weise nicht mehr Klänge erzeugen, ohne dass der Nutzer den Klang verursachenden Tab wahrnimmt.
Diese Neuerung ist in Firefox 51 standardmäßig noch deaktiviert und kann über about:config aktiviert werden, indem der Schalter media.block-autoplay-until-in-foreground per Doppelklick auf true geschaltet wird.
Suchmaschinen-Symbole in Adressleiste
Eine praktische Funktion der Suchleiste von Firefox sind die Symbole der Suchmaschinen, welche ein schnelles Suchen bei unterschiedlichen Suchmaschinen erlauben, ohne jedes Mal vorher die Standard-Suchmaschine in den Firefox-Einstellungen umstellen zu müssen.
Die Suchmaschinen-Symbole sind ebenfalls in die Suchleiste der Seite about:newtab integriert, welche standardmäßig beim Öffnen eines neuen Tabs erscheint, sowie in die Suchleiste der Standard-Startseite about:home. Da auch über die Adressleiste des Browsers gesucht werden kann, folgte der nächste logische Schritt: die Integration der Suchmaschinen-Symbole in die Adressleiste.
Diese Neuerung ist in Firefox 51 standardmäßig noch deaktiviert und kann über about:config aktiviert werden, indem der Schalter browser.urlbar.oneOffSearches per Doppelklick auf true geschaltet wird.
Verbessertes Download-Panel
Das Download-Panel zeigt bis zu drei Downloads an und darunter eine Schaltfläche, um alle Downloads anzuzeigen. Wer den Schalter browser.download.showPanelDropmarker per about:config auf true schaltet, bekommt hier zusätzlich noch ein Zusatzmenü mit den Optionen zu sehen, die Liste zu leeren oder das Download-Verzeichnis zu öffnen.
Sonstige Neuerungen von Firefox 51
Firefox kann nun auch Passwörter in Formularen speichern, welche kein „submit“-Event besitzen. Außerden können die Passwörter nun im Doorhanger-Panel zum Speichern eines Passworts gesehen werden, bevor diese gespeichert werden. Nachdem Firefox bereits seit Version 49 die für die HTTP-Version einer Webseite gespeicherten Zugangsdaten auf der HTTPS-Version der gleichen Seite verwenden kann, wurde Selbiges nun auch für HTTP Auth-Dialoge implementiert.
Auf Systemen ohne Hardwarebeschleunigung wurde die Video-Performance verbessert. Auf Linux wird jetzt die 2D-Grafik-Bibliothek Skia für das Content-Rendering verwendet.
Aus dem Tor-Projekt wurde eine about:config-Einstellung übernommen, um auf Wunsch den MathML-Standard zu deaktivieren (mathml.disabled).
In der Leseansicht erhalten besuchte Links ab sofort eine andere Farbe, Anker-Links führen jetzt zu der entsprechenden Stelle in der Leseansicht statt auf die originale Ansicht zu verlinken.
Der Download-Pfeil in der Navigationssymbolleiste zeigt nun zusätzlich einen farbigen Punkt an, wenn es ein Problem mit einem Download gab. Mit Firefox heruntergeladene Dateien zeigen auf Apple macOS in den Datei-Informationen ab sofort die URL an, von welcher die Datei heruntergeladen worden ist.
Wenn Firefox einen langsamen Start bemerkt, bietet Firefox die Restauration des Profils an, um den Start zu beschleunigen. Diese Meldung erscheint in Zukunft nur noch, wenn das Profil mindestens drei Monate alt ist.
Der Info-Dialog zeigt nun an, ob man eine 32-Bit- oder eine 64-Bit-Version von Firefox nutzt.
Wird bei der Nutzung von Firefox Sync ein Tab an ein anderes Gerät gesendet, erhält dieses bei Empfang nun eine Push-Benachrichtigung.
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